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27. Juni 2016 | David

Russlands netteste Grenzbeamtinnen und 6 Stunden Buckelpiste: Welcome to Russia

Gemeinsam mit Team Roadrunner ging es am Morgen los, um auf den Landstraßen zunächst einige Luftaufnahmen vom Kompensator zu machen. Schon auf der Lofoten-Party beeindruckte Tobi mit spektakulären Flugmanövern seiner Kameradrohne (O-Ton: „Ja so nah am Feuer und so knapp über dem Wasser war eigentlich ziemlich gefährlich, aber der Alkohol macht einen da mutiger“) und wir nahmen sein Angebot auch unser Gefährt aus der Luft zu filmen natürlich liebend gerne an.

Hatten die Roadrunner sich schon etwas südlicher eine Hütte auf russischer Seite gemietet, um dort das Deutschland-Spiel zu sehen entschieden wir uns dafür, den nördlicher gelegenen Grenzübergang bei Kuusamo anzusteuern um nach Russland einzureisen. An einer Tankstelle wurde zunächst ein weiterer Fulda-Artikel getauscht und wir erhielten für das Fulda-Mini-Bobbycar einen für die Region typischen Blinker (Angelzubehör, zufälligerweise genau das Teil das uns am Tag vorher im Roten See verlorgen ging). Der nette Finne beeindruckte beim Fotoshoot mit genauen Instruktionen, dass man sich doch am besten vor dem Auto positioniert, eine Nahaufnahme vom Tauschobjekt macht und auch nochmal einen Handshake per Foto festhält.

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Weiter in Richtung Grenze wurde dann auch noch an einem der zahlreichen Seen ein Bäumchen für Finnland gepflanzt, aufgrund des kurzen Aufenthaltes in Finnland ohne Pate, dafür ein an einer sehr idyllischen Stelle direkt am See. Dann wurden noch die Dokumente (Pass mit Visum, grüne Versicherungsbescheinigung für das Auto, Vollmacht für das Führen des auf Markus’ Mutter zugelassenen Autos) zusammengesucht und wir näherten uns der Grenze. Bei der finnischen Ausgangskontrolle lief alles unproblematisch und der Kompensator sorgte für Aufsehen, so dass der Grenzbeamte seine Unterschrift auf dem Kofferraum (eine weitere BSC-Challenge) dann auch gerne fotografisch festhalten ließ und anschließend selbst sein Handy zückte um den Start des Kompensators in das Abenteuer Russland zu filmen.DSC_8178

Wie es dann auf russischer Seite laufen würde war schwer abzuschätzen. Innerhalb der Teams kursierten Stories von Wartezeiten zwischen einer halben und 8 Stunden und mehr oder weniger strengen Kontrollen. Als wir ankamen waren wir jedenfalls das einzige Auto und wir steckten die Grenzbeamtin wohl direkt mit unserer guten Laune an, da sie sich nach unseren ersten Kommunikationsversuchen (Englisch scheint sehr lustig zu klingen) ein Lachen nicht verkneifen konnte. So half sie uns auch direkt beim Ausfüllen des ersten Formulares und stempelte die Pässe (unter Kontrolle des kleinen Mannes mit den meisten Sternen) bereitwillig ab. Weiter ging es dann zu den Zollformularen (Einführung eines Autos, Wertgegenstände, Reiseziel etc.)

Hier kümmerten sich direkt zwei Beamtinnen um uns: Wie eine Mutter mit ihrem Erstklässler gingen wir nun die gesamten und ausschließlich mit kyrillischer Schrift geschriebenen Formulare durch und die Beamtin versuchte uns sehr liebevoll und mit größtmöglichem Einsatz (unter anderem einem bebilderten Russisch-Englischen Phrasebooks) zu erklären welche Info an welche Stelle gehört („Me Russia -> You : ????“. Ahhh … hier gehört also unser Heimatland hin). Wir sorgten dabei weiterhin für gute Laune und konnten den ansonsten eher streng wirkenden Beamtinnen das ein oder andere Lächeln abgewinnen.

Nachdem die Dokumente dann auch nach sorgfältiger Kontrolle der wachsamen Kollegin abgesegnet wurde, konnten wir uns zum Kompensator begeben und diesen inspizieren lassen. Mit vorsichtiger 2-Finger-Technik wühlten die Beamten (nun wieder mit dem Mann mit den vielen Sternen auf der Schulter) sich durch das leichte Chaos auf der Rücksitzbank und dem Kofferraum, bevor dann der Dachaufbau die volle Aufmerksamkeit bekommen sollte. Zunächst wurde kontrolliert ob Buchsbaum und Gießkanne fest angebracht sind, bevor dann sowohl die Box als auch die Gießkanne ausführlichst von innen und außen inspiziert wurden. Der roomz-Aufbau sorgte dann noch einmal für Sorge unsererseits, da dieser zunächst so sorgfältig abgeklopft wurde dass wir schon befürchteten, wir müssten diesen abschrauben und aufsägen, was sich dann aber nicht bestätigte. Als Dank bekam die Beamtin dann noch zwei Plastikblumen von der Hutablage, das Fulda-Feuerzeug („Thank you, no Smoking“) und auch den Kuli („No writing?“) wollte der der Beamte aber nicht annehmen.

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Nachdem wir eigentlich in ganz Skandinavien beste Straßenbedingungen genießen konnten, war der Kontrast zu der nun folgenden von Schlaglöchern gesäumten und äußerst buckeligen Schotterpiste umso extremer. Da die Straße als große Bundesstraße eingetragen war, waren wir uns sicher dass diese bald geteert sein müsse. Leider lagen wir damit falsch, so dass wir uns die nächsten 120km mit ca. 20km/h voranquälten und selbst dabei dem Kompensator einiges zumuteten. Als wir dann endlich einmal an einem Dorf vorbeikamen sorgten wir bei einer telefonierenden, älteren Frau für herzhafte Lacher als Markus nach dem Weg in das über 1000km entfernte St. Petersburg fragte.

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Nach schier endlosen Stunden bei Geholper und Geruckel kamen wir dann endlich auf die große Bundesstraße, trafen beim Tanken noch einige andere Teams (u.A. den LT28 der es zwar nicht zur Party geschafft hat, aber nun wieder unterwegs ist) und konnten dann auf der nun echten Bundesstraße noch einige Kilometer machen bevor wir dann an einer Tankstelle aufgrund mangelnder Zeltmöglichkeiten die erste Nacht im Auto schliefen.