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1. Juli 2016 | David

Schock – Der Kompensator ist weg

Okay, Man hätte stutzig werden können dass an der am Vortag noch voll besetzten Straße immer weniger Autos standen, aber dass dies der Grund für das Verschwinden unseres geliebten Kompensators war, wurde uns in diesem Moment – wohl bedingt durch den Schock – noch nicht klar und wir befürchteten das Schlimmste: Diebstahl.

Ohne Sprachkenntnisse und immer noch im Schock machten wir uns mit unseren Badesachen und zum Glück einer Kreditkarte und etwas Geld, jedoch ohne Handy und Ausweis, auf dem Weg zur nächsten Polizeistation. Dort wurden wir zunächst vertröstet, da man jemanden bräuchte der entweder Englisch oder Deutsch konnte. Ohne Kontaktdaten von irgendjemanden (Ohne Handy ist man wirklich aufgeschmissen) hieß es nun: Warten. Nach einigen Stunden (es ging auf 20 Uhr zu) konnten wir dann unser Problem der am Telefon befindlichen und englischen sprechenden Person am Telefon schildern und wurden direkt auf den nächsten Tag vertröstet, da um diese Uhrzeit niemand von der zuständigen Behörde mehr erreichbar sei. Auf ging es also in das Hotel Petrozavodsk wo man tatsächlich für 900 Rubel (13 Euro) ein absolut annehmbares Doppelzimmer mit zwar auf dem Flur liegenden, aber dafür nigelnagelneuen sanitären Anlage bekam.

Die Dusche und die Nacht im Hotel tat gut, allerdings hätten wir uns diese unter anderen Vorzeichen und in St. Petersburg gewünscht. So eine Rallye ist nunmal kein Wunschkonzert. Am nächsten Morgen machten wir uns also auf den Weg zurück zur Polizeistation. Im Laufe des Vormittages konnte der Kompensator lokalisiert werden – er wurde aufgrund der startenden Aufbauarbeiten für das Fischerfest abgeschleppt und zu unserer Erleichterung nicht etwa geklaut. Nun begannen die Mühlen der russischen Bürokratie zu mahlen und zunächst stellte sich das Fehlen unseres Ausweises und der Fahrzeugpariere sowie unsere nicht russische Staatsbürgerschaft als Problem dar. Wieder Warten bis jemand am Telefon war dem wir erklären konnten, dass unser Ausweis und die Fahrzeugpapiere in dem Auto seien: Um an das sich offiziell in Gewahrsam befindliche Auto zu kommen, bedurfte es wiederum einer Genehmigung mit Unterschrift von oben, was dann den Rest des Nachmittags fraß.

Damit konnten wir dann aber endlich am nächsten Morgen (es war nun schon Donnerstag) die Papiere – und NUR die Papiere- aus dem Auto holen, was die Grundvoraussetzung war das Auto nun baldmöglichst auslösen zu können. Hierfür bedurfte es allerdings wieder einiger (Sonder-)Genehmigungen, bedingt durch den Fakt, dass wir keine russischen Bürger und nirgendwo gemeldet waren. Hier zahlte sich nun aber der sensationelle Einsatz von Nika (der uns nun zugeteilten Übersetzerin – die sowohl hervorragendes Deutsch als auch perfektes Englisch sprach) und der beteiligten Beamten aus, so dass einige Formalitäten umgangen bzw. abgekürzt werden (u.a. das Eröffnen eines Kontos) konnten und geklärt wurde, dass wir die Strafe am nächsten Tag (Freitag!) bar bezahlen können und das Auto mitnehmen dürften.

Soweit so gut. Nun wurde aber auch – wohl bedingt durch die aktuelle Flüchtlingsproblematik – das Migrationsamt auf uns aufmerksam, von dem wir nun auch befragt wurden. Und hier lag nun Freud und Leid des gerade erschienenen Artikels (den uns einer der Beamten zur Begeisterung aller Beteiligten kurz vorher zeigte) sehr nahe beisammen: Hielten wir es für eine gute Idee, diesen heranzuziehen, um den Zweck unserer Reise zu erklären, stellte sich dies als weitere, kleine Hürde heraus, wie sich am nächsten Tag zeigte.IMG_8006

Nach einer weiteren Nacht im Hotel und sehr leckerem Abendessen, konnten wir den Kompensator am nächsten Tag tatsächlich unversehrt in Empfang nehmen, sollten aber noch einmal zurück in das Revier kommen, da das Migrationsamt noch etwas von uns wollte. Da unsere Tour ja eine Charity-Tour sei und wir auch einen Baum gepflanzt haben sei unser Touristenvisum nicht gültig und wir hätten ein Arbeitsvisum benötigt, was eine Strafe von 2.000 Rubel pro Person (etwa 26 €) zur Folge hätte. Wir könnten dies aber überweisen und es sollte keinen weiteren Aufenthalt nach sich ziehen. Anschließend bedankten wir uns noch für den sensationellen Einsatz von Nika und einem der Beamten (dem wir stellvertretend auch für seine super engagierten Kollegen noch die restlichen deutschen Bier schenkten) und posierten für ein Abschiedsfoto vor dem Kompensator, bevor es am Freitag Nachmittag endlich weitergehen konnte.

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Wir möchten hier noch einmal allen Beteiligten, allen voran Nika, für den bemerkenswerten Einsatz danken und nehmen die zahlreichen Entschuldigungen, dass Russland nunmal so sei („Eta Rossija“) an, da es ohne das Engagement der Beteiligten in diesem wohl so noch nie dagewesenen Fall noch länger gedauert hätte. Spasiba!!